Das Tlopi Tented Camp – Schlafen in der Wildnis im Marakele National Park (Südliches Afrika Teil 3)

Nach unseren wunderbaren Tagen in der Tuli Lodge im Nothern Tuli Game Reserve in Botswana, fuhren wir wieder zurück nach Südafrika. Die nächste Station war der Marakele National Park. Die Fahrt dorthin war lang und etwas nervenaufreibend. Die Straße, die uns entlang der Grenzen zu Botswana führte, bestand mehr aus Schlaglöchern, als aus Straße. Die waren teilweise so lang, dass das ganze Auto drin Platz fand und mit stellenweise 50 cm Tiefe für einen Toyota Corolla echt eine Herausforderung. So langsam verstanden wir die ganzen Witze über Schlaglöcher und Bilder, bei denen nur noch ein Giraffenkopf aus einem Schlagloch schaut … Zwischen Alldays und Swartwater, entlang der Grenze zu Botswana, hatten wir auf 60 km eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 15 kmh. Dieses Teilstück war wirklich richtig anstrengend und uns saß noch ein bisschen die Angst im Nacken, dass wir es nicht rechtzeitig vor Schließung des Nationalparks zum nächsten Camp schaffen würden. Wie sich später herausstellen sollte, schafften wir es 10 min vor Toresschluss.

Marakele Nt. Park

Einkaufen mussten wir ja auch noch, denn die nächste Übernachtungsmöglichkeit war das Tlopi Tented Camp – ein Zeltcamp für Selbstversorger mitten in der Wildnis – ohne Zaun, ohne Schnickschnack. Nirgendwo konnten wir vorab eine Information bekommen, wo wir Lebensmittel kaufen sollten, denn alle Reiseführer ignorieren diesen Teil von Südafrika komplett. Leider gab es auf der Seite des Nationalparks auch keine Informationen dazu. So versuchten wir es in der einzigen etwas größeren Ansammlung von Häusern – in Lephalale. Hier fanden wir eine wüste Ansammlung von Fast Food Restaurants und Liqueur-Stores. Ralf machte sich auf die Suche und fand so etwas ähnliches, wie einen Großhandel – Baked Beans in 5 Liter-Dosen, Sweet-Chili-Sauce in 5-Liter-Kanistern, Nudeln und Reis in 10 kg-Säcken, Gewürze in Kilo-Packungen etc.. Etwas arg zu viel, wenn man „nur“ zwei Abendessen, zwei Mal Frühstück und ein bisschen Futter und Wasser für zwischendurch haben will. Es war halt eine typische Station und Versorgestelle für die ganzen Großeinkäufer, die einmal im Monat Vorrat für Lodges, Camps und Farmen besorgen müssen. Irgendwie fand Ralf dann doch dort ein kleines Paket Spaghetti, Bananen, Kaffee, 6 frische Tomaten, Butter, Toast, Corned Beef, Milch, Rotwein, Wasser und Kekse. Irgendwie würden wir das schon überleben.

Über eine unbefestigte Holperstrecke hüpften wir dann kurz vor Thambazimbi mit unserem Corolla nach links ab in die Wildnis und erreichten 10 min vor Toresschluss den Nationalpark. Eintritt bezahlen, Weg erklären lassen, schnell den Gamedrive für den nächsten Morgen noch buchen und dann auf ins Abenteuer. Der Park ist in 2 Teile geteilt – ein Teil, in dem man auch aussteigen darf und in den sich die etwas „ungefährlicheren“ Tiere befinden, also Antilopen und alles Mögliche andere. Durch einen Tunnel und 2 Sperrzäunen gelangt man dann in den Bereich der Big 5. Hier darf man nicht mehr aussteigen und muss noch ein ganz ordentliche Strecke zum Camp fahren – fast 1 Stunde vom Eingang aus – ok, mit einem Jeep wäre man wahrscheinlich schneller.

Eingang zu den Big 5 / Entrance to the Big 5-Area / Marakele Nt. Park

Das erste, was wir bemerkten, war ein heftiger Brandgeruch, der immer stärker wurde, je näher wir dem Big 5-Bereich kamen. Später erfuhren wir, dass es eine Woche vorher hier richtig heftig gebrannt hatte. Man sah und roch es überall und es waren auch sehr wenige Tiere unterwegs. Glücklicherweise wurde bei dem Brand niemand verletzt und auch keine größeren Tiere getötet – nur die Kleinen, die nicht rechtzeitig wegkamen, wie Schlangen, überlebten den Brand nicht. Sehr traurig…

Brandschäden / After the fire / Marakele Nt. Park

Das Tlopi Tented Camp besteht aus 12 Zelten, die, jeweils mit separater Küche, die man (IMMER!!) geschlossen haben muss und einer Terasse an einem See liegen. Der See trocknet nie aus, d. h. man kann dort das ganze Jahr Tiere sehen.

Das Camp ist vom Feuer glücklicherweise verschont geblieben, aber es lag auch hier ein Brandgeruch in der Luft und es war auch irgendwie die ganze Zeit diesig. Die Zelte selber sind sehr, sehr einfach eingerichtet, aber es ist alles da, was man braucht und auch recht sauber – aber überhaupt kein Vergleich mit dem Wildside Camp in Entabeni und der Tuli Lodge in Botswana. Wir verräumten schnell unsere Lebensmittel und hatten sofort Affenbesuch, die Beute witterten. Wir mussten binnen Sekunden lernen, dass man die Küche nicht nur abschließen muss, sondern auch alle Sachen in den Kühlschrank packen muss und diesen immer so zur Wand drehen muss, dass man die Tür nicht 1 cm aufmachen kann. Besser ist das. Später waren wir heilfroh, dass es sich bei dem ersten Affenbesuch „nur“ um die Vervet Monkeys gehandelt hat und nicht um Baboons. Die hätten wir nicht so unbeschadet überstanden, aber auch die kleineren Affen hier haben ganz schön fiese Zähne.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Glücklicherweise waren die Affen an diesem Tag doch davon zu überzeugen, dass wir die Chefs im Ring waren und wir hatten ziemlich schnell Ruhe. Vorerst. Das Drama sollte sich bei der Abreise wiederholen – diesmal allerdings mit mehr Affen und einem wesentlich aggressiveren Affenchef. Den musste ich ganz schön „anmachen“, damit der uns von der Pelle rückt.

Tlopi Tented Camp / Marakele Nt. Park

In den ersten 5 Minuten der Ruhe hatten wir dann auf der anderen Seite des Sees spektakulären Besuch – erst eine Giraffe, dann ein White Rhino und eine Löwin. Ja, so kann es doch weitergehen. Auch, wenn viele Tiere doch recht weit weg waren und unsere Objektive an die Grenze der Leistungsfähigkeit brachten, so haben wir doch viele schöne Momente gesehen.

Langsam wurde es dunkel und alle Nachbarn begannen zu grillen … Maunz… Hunger … den ganzen Tag nichts Richtiges gegessen und nun den Steakgeruch von allen Seiten.

Tlopi Tented Camp / Marakele Nt. Park

Wir kochten dann mal Nudeln mit Tomatensauce – ohne Kräuter ohne alles. War auch lecker. Nach den kulinarischen Genüssen aus der Tuli Lodge aber doch echt ein kleiner Kulturschock 🙂

Abendessen / Dinner / Marakele Nt. Park

Es wurde schnell dunkel und wir saßen auf der Terasse mit einem Glas Wein und schauen wechselweise den Sternschnuppen zu oder beleuchteten die gegenüberliegende Seeseite, an der dauernd etwas passierte. Schnell waren wir aber auch müde – die lange Fahrt forderte Tribut und so waren wir kurz nach 8 Uhr schon in der Tiefschlafphase. Eines macht in den Zelten keinen Spaß – schlafen, wenn es stürmt – es ist höllelaut und die Zeltwände knallen richtig. Ralf ist bei so was völlig unempfindlich und pofelt fröhlich – ich zucke bei jedem Knall wieder neu zusammen. Irgendwann wurde es besser und dann konnte ich auch schlafen.

Der Morningdrive war eher unspektakulär – der Guide, so hatten wir den Eindruck – war etwas unmotiviert und so zeigte er uns in den 2 Stunden nur wenige Seiten des Parks. Dafür sahen wir Elefanten, Geparden, Büffel (die fehlten uns irgendwie noch), Giraffen, Baboons und vieles mehr. Wir sahen aber auch die ganzen Brandschäden und der erste Eindruck, dass es ein wenig diesig war, bestätigte sich, denn es war sehr viel Staub in der Luft vom Brand, der bei jedem Windhauch wieder aufgewirbelt wurde. So wirkte alles noch ein wenig farbloser, als es sowieso schon wegen der Trockenheit war.

Geparden / Cheetah / Marakele Nt. Park

Es waren insgesamt sehr wenig Tiere unterwegs – laut Guide waren die alle auf der für Besucher gesperrten Seite des Parks, wo sie Zuflucht vor dem Feuer gesucht hatten. Verständlich. Auch hatten wir den Eindruck, dass die Tiere, die wir sahen, „anders“ waren, als die, die wir bisher gesehen hatten. Irgendwie etwas verschreckter und lange nicht so entspannt, wie in Botswana, aber wer kann es ihnen nach einem Brand übel nehmen. Es machte das Fotografieren für uns dadurch nur etwas schwieriger; Dämmerung und nervöse Tiere sind suboptimal für scharfe Bilder. Jammern auf sehr hohem Niveau 😉

Büffel / African Buffalo / Marakele Nt. Park

Was allerdings wirklich toll war, ist, dass unser Guide im Rückwärtsgang parallel zu einer Giraffe fuhr, die neben uns her galoppierte. Was ein schönes Tier und welch graziösen Bewegungen.

Giraffe / Marakele Nt. Park

Zurück im Camp, machten wir erst mal einen richtig heißen Kaffee. Der war auch wirklich nötig, denn es war echt fies kalt (wir hatten 5 Schichten Kleidung übereinander an beim Morningdrive und sahen aus, wie das Michelin-Männchen). Langsam kam die Sonne raus und wärmte uns ein wenig.

Früh am Morgen / Early in the Morning / Marakele Nt. Park

Der Rest des Camps schlief noch und so genossen wir die Ruhe am See. Die hatten wir sehr lange, denn die anderen Gäste reisten alle sehr schnell ab und wir saßen alleine auf der Terrasse und schauten auf den See. Was ein entspannter Urlaubstag – einfach Ruhe und keine Beschallung oder Hektik. Nur Ruhe.

Wir / Us / Marakele Nt. Park

Irgendwann kamen sie dann alle zum Wasser … Elefanten, alle möglichen Wasservögel, Antilopen und noch mehr Elefanten. Sie standen sehr lange am See und tranken – irgendwas scheuchte sie dann auf und wir bekamen live mit, wie eine Elefantenherde sich in eine „Verteidigungsstellung“ um ihre Jungen herum bewegte. Blitzartig war ein Wall um die Kleinen gebaut, die sich zusammendrängte. Hier ein kleines Video dazu. Spektakulär und was ein Zufall, dass wir gerade mal nicht fotografierten, sondern ein Video drehten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Kurz danach beobachteten wir auch noch einen Schreiseeadler beim Rundflug. Zu unserer Begeisterung angelte er sich auch noch einen Fisch im Flug und setzte sich damit gemütlich auf einen Baum und futterte. Die Enten fanden das nicht so lustig und kommentierten das ca. 1 Stunden lang.

Abends wurde es dann ruhiger am See. Es wurde wieder viel gegrillt, gab die zweite Portion Nudeln mit Tomatensauce und Rotwein und entspannte Blicke auf den See.

Tlopi Tented Camp / Marakele Nt. Park

Die nächste Nacht war dann etwas ruhiger und wir verließen morgens früh nach einem entspannten Frühstück – unter wachsamen Blicken der Affen – das Camp. Die schafften es doch tatsächlich, die bestens verstauten Bananen zu klauen und mich dann auch noch anzufauchen. Na super. Wir dachten an Flucht und hüpften schnell ins Auto, bevor die weiteren Gegenstände, die wir ins Auto trugen, weitere Affen anlockten. Die Kleinen waren nämlich inzwischen überall.

Vervet Monkeys

Durch den Brandgeruch fuhren wir zurück zum Eingang und von dort weiter zum nächsten Stopp, dem Madikwe Game Reserve, über das wir im nächsten Artikel berichten.

Braunflügel-Mausvogel / Speckled Mousebird / Marakele Nt. Park

Unser Fazit zum Marakele Nt. Park und dem Tlopi Tented Camp: ein wirklich schöner, wenn auch sehr einfacher Platz. Wahrscheinlich mit viel mehr Tieren, als wir nach dem Feuer sehen konnten. Definitiv aber der entspannteste Teil unserer Reise – 2 Tage Nichtstun und Tiere schauen, die zum See kamen. Entspannung pur.

Fußspuren / Footprints / Marakele Nt. Park

Und hier noch die Links zu den anderen Artikeln unserer Reise: 

Südafrika – Safari für Einsteiger im Entabeni Game Reserve (Südliches Afrika Teil 1)

Das Northern Tuli Game Reserve in Botswana – Tiere und Natur ohne Zaun (Südliches Afrika Teil 2)

 

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